Tribal Casinos gegen Prediction Markets: Milliardenstreit eskaliert
Die Glücksspielbranche steht vor einem massiven Machtkampf. Native American Gaming-Vertreter fordern den US-Kongress auf, gegen Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket vorzugehen, die ihrer Ansicht nach illegales Sportwetten-Geschäft auf indigenem Territorium betreiben. David Bean, Vorsitzender der Indian Gaming Association, lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Plattformen verstießen gegen das Indian Gaming Regulatory Act, Bundesgesetze und Tribal-State-Gaming-Compacts.
Der Konflikt entzündet sich an einem juristischen Graubereich. Während Kalshi und Polymarket argumentieren, sie seien Terminbörsen unter Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission und keine Sportwetten-Anbieter, sehen die Tribes darin einen Angriff auf ihre exklusiven Glücksspielrechte. „Sportwetten über Prediction Markets verstößt gegen Tribal-, Bundes- und Landesgesetze“, erklärt Bean unmissverständlich.
Kalifornien wird zum Schlachtfeld
Besonders brisant wird es in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat. Drei federal anerkannte Tribes – Blue Lake Rancheria, Chicken Ranch Rancheria und Picayune Rancheria – haben im Juli Klage gegen Kalshi und dessen Partner Robinhood eingereicht. Der Vorwurf: illegale Sportwetten auf Stammesgebiet plus zivilrechtliche RICO-Verstöße. Ein kalifornisches Bundesgericht lehnte zwar kürzlich einen Eilantrag ab, doch die Tribes geben nicht auf.
James Siva, Vorsitzender der California Nations Indian Gaming Association, fordert vom Kongress klare Kante: „Der Kongress muss jetzt handeln, um klarzustellen, dass der Commodities Exchange Act es Prediction Markets nicht erlaubt, Sportwetten und andere Casino-Spiele anzubieten.“ In Kalifornien haben die Tribes exklusive Compacts mit dem Staat – jede Form von Wettexpansion läuft über sie und die Wähler.
CFTC als schwächstes Glied in der Kette
Bean bringt es auf den Punkt: Die CFTC sei die „kleinste und schwächste“ Finanzbehörde der USA. Kein Zufall, dass Prediction Markets ausgerechnet deren Aufsicht wollen. Das System funktioniert per Selbstzertifizierung – Kalshi meldet der CFTC neue Angebote, und wenn die Kommission nicht binnen Tagen widerspricht, gehen die Event-Contracts live. Genau diese Praxis kritisieren die Tribes scharf.
Die Zahlen belegen den Boom: Robinhood meldete kürzlich, dass Prediction Markets zu seinem größten Umsatztreiber geworden sind – seit März über 9 Milliarden Contracts mit einer Million Nutzern. Kalshi wurde im Juni mit 2 Milliarden Dollar bewertet, Polymarket sogar mit 8 Milliarden Dollar. Die Konkurrenz schläft nicht: FanDuel und DraftKings bereiten eigene Prediction-Market-Angebote vor, während MGM und Caesars sich aus Rücksicht auf ihr stationäres Casino-Geschäft zurückhalten.
Tribes fürchten um Millionen-Einnahmen
Die Sorgen der Native Americans sind existenziell. In Oklahoma warnt Matt Morgan, Vorsitzender der Oklahoma Indian Gaming Association: Prediction Markets gefährden die 100 Millionen Dollar jährlich, die der Staat aus Sportwetten und iGaming erhält – und damit indirekt auch die Milliarden, die über Jahre aus Tribal Gaming geflossen sind. „Die laufen rum und setzen das alles aufs Spiel, weil sie technisch gesehen auch eure Exklusivverträge verletzen“, so Morgan.
Der politische Druck wächst. Kalshi, Crypto.com, Robinhood, Coinbase und Underdog haben diese Woche die „Coalition for Prediction Markets“ gegründet, um für bundesweite CFTC-Regulierung zu lobbyieren. Ihre Botschaft: „Amerikaner verdienen Klarheit, nicht 50 widersprüchliche Interpretationen.“ Die Tribes kontern: Prediction Markets würden bewusst die schwächste Regulierungsbehörde wählen, um sich Gaming-Gesetzen zu entziehen.
Ob Polymarket der neuen Lobby-Koalition beitritt, bleibt offen. Die Plattform kehrt gerade nach Jahren rechtlicher Probleme in die USA zurück – mit dem Kauf der CFTC-lizenzierten Börse QCX für 112 Millionen Dollar. Der Kampf um die Zukunft des amerikanischen Gaming-Marktes hat gerade erst begonnen.
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