Pfandlotterie mit Kubicki: Entscheidung über Lizenz steht aus
Wolfgang Kubicki ist seit 2026 FDP-Bundesvorsitzender – und zugleich seit Mai 2025 Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Deutschen Pfandlotterie gGmbH. Das Konzept: Wer im Supermarkt Leergut abgibt, kann per Knopfdruck auf einen Gewinn von bis zu 100.000 Euro hoffen, statt sich das Pfandgeld auszahlen zu lassen. Ein Antrag auf eine bundesweite Glücksspiellizenz liegt inzwischen bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, eine Entscheidung steht laut Kubicki noch aus, wie abgeordnetenwatch und ZEIT recherchiert haben.
Vom norwegischen Modell zum Testmarkt Schleswig-Holstein
Die Idee stammt aus Norwegen, wo Pfandlotterie-Automaten laut der Recherche längst zum Supermarktalltag gehören. Ein Teil der Einnahmen soll gemeinnützigen Organisationen wie den Tafeln zugutekommen, gleichzeitig verdienen Betreiberfirma, Handel und Technikdienstleister mit. Bislang steht das Angebot nur in wenigen Supermärkten in Schleswig-Holstein – jenem Bundesland, in dem Kubicki Anfang der 2010er Jahre gemeinsam mit der CDU-geführten Landesregierung unter Peter Harry Carstensen liberalere Glücksspielregeln durchsetzte, von denen viele später bundesweit übernommen wurden.
Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der sich der deutsche Online-Glücksspielmarkt 2026 ohnehin in regulatorischem Umbruch befindet.
Kontakte zu Behörden und Landespolitik
Die Deutsche Pfandlotterie erhielt 2021 erstmals eine Lizenz in Schleswig-Holstein, die nach Auflagen zum Jugend- und Spielerschutz bis Ende 2026 verlängert wurde. Im Oktober 2025 traf Kubicki im Kieler Innenministerium einen Abteilungsleiter und eine Referatsleiterin, einen Monat später telefonierte er erneut mit der Beamtin – das geht aus mehr als 200 Seiten interner Kommunikation hervor, die abgeordnetenwatch und ZEIT über das Informationsfreiheitsgesetz erhalten haben.
„Ich habe selbstverständlich die Zulassungsbehörde in Schleswig-Holstein aufgesucht, um mich persönlich vorzustellen“, sagte Kubicki dazu. Parallel warb er auch in anderen Bundesländern für das Projekt. „Herr Kubicki hat mich vor einigen Monaten privat telefonisch erreicht und über sein Anliegen in Kenntnis gesetzt“, sagte Doris Schröder-Köpf, SPD-Politikerin und Vorsitzende des Innenausschusses im niedersächsischen Landtag, die daraufhin einen Fraktionsreferenten mit dem Thema befasste.

Hinter dem Unternehmen stehen drei norwegische Investoren – der Pfandautomatenhersteller Tomra, der Glücksspieldienstleister Norsk Underholdningsspill AS und der Systementwickler Playsafe Norway AS – mit je 32 Prozent Anteil. Kubicki selbst hält vier Prozent, verfügt laut Gesellschaftsvertrag jedoch über eine Stimmenmehrheit, was laut seiner Darstellung Interessenkonflikte mit Glücksspielrecht oder Lizenzauflagen verhindern soll. Er betont, kein Gehalt zu beziehen und mit den Gesellschaftern außerhalb der Firma keine geschäftlichen Beziehungen zu unterhalten.
Weitere Informationen bietet der Beitrag Verstöße von Bet365 und Tipico gegen deutsches Glücksspielrecht. Für die Pfandlotterie unterstreicht dies die Bedeutung einer sauberen bundesweiten Zulassung.
Offene Fragen vor der bundesweiten Entscheidung
Wie stark einzelne Bundesländer beim Vertrieb regulierend eingreifen, zeigte zuletzt Baden-Württembergs Zustimmung zur Glücksspielreform mit neuen Netzsperren. Ob und wann die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder über den Antrag der Deutschen Pfandlotterie entscheidet, ist offen. Atle B. Johansen, Direktor der norwegischen Recycling Lottery International AS, bringt die Ausgangslage auf den Punkt: Am Ende sei es eine politische Entscheidung, ob die Pfandlotterie gesellschaftlich gewollt ist.
Kubicki selbst sieht darin keinen Widerspruch zu seinem Parteiamt. „Meine damalige Einschätzung, dass es sich bei der Pfandlotterie um eine gute Sache handelt, hat sich bestätigt“, sagte er. Sollte die bundesweite Lizenz erteilt werden, stünde erstmals ein deutscher Parteivorsitzender zugleich an der Spitze eines Glücksspielunternehmens – und Glücksspiel würde dort ansetzen, wo Verbraucher:innen bislang lediglich ihr Pfand zurückgeben.
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