Bet365 und Tipico: Verstöße gegen deutsches Glücksspielrecht?

 

Die Sportwettenbranche befindet sich in heller Aufregung. So gut wie alle großen Anbieter machten ihr Online Wettangebot deutschen Sportfans zugänglich und dass, obwohl sie nicht über eine hierfür notwendige deutsche Glücksspiellizenz verfügen. Erst seit 2021 sind in Deutschland Online Sportwetten für private Anbieter legal, sofern sie eben über jene Lizenz verfügen. Mit Tipico geriet der erste Großanbieter, der mittlerweile zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen ist ins Visier. Nun kommt mit bet365 ein weiteres Schwergewicht hinzu. Das ist im Falle von bet365 jedoch noch lange nicht alles. Wie Recherchen des deutschen Magazins „Plusminus“ ergaben, nimmt es der britisch-maltesische Anbieter auch mit bestehenden deutschen Gesetzen nicht allzu genau. 

Landgericht Köln gibt deutschem Kläger recht bet365 ignoriert das Urteil allerdings 

Bet365 ist einer der größten Wettanbieter der Welt und auch dieser Status schützte das Unternehmen nicht davor, Bekanntschaft mit der Gesetzeslage hierzulande zu machen. Ein deutscher Fan, der laut ARD-Recherchen lediglich mit seinem Vornamen Mario genannt werden möchte, verzockte in den Jahren, bevor bet365 eine deutsche Lizenz besaß, bis zu 3.000 Euro am Tag. Mario kam dahinter, dass bet365 ihm gar keinen Zugang zu Sportwetten hätte ermöglichen dürfen und nahm sich den auf Glücksspielgesetze spezialisierten Anwalt, Thomas Sittner. Sittner vertritt zahlreiche Mandanten, denen es genauso wie Mario ergangen war.

Der Fall landete schließlich im Jahre 2024 bei dem zuständigen Landgericht Köln und die Richter gaben der Klage in sämtlichen Punkten statt. Die Richter bestätigten in ihrem abschließend rechtskräftigen Urteil, dass Mario sämtliche erlittenen Verluste inklusive Zinsen zu erstatten sein. Laut dem Urteil, das dem SWR vorliegt, entstand so eine Entschädigungssumme in Höhe von 35.000 Euro plus Zinsen, denn diese fallen bis zum Tag der Zahlung an. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen und Mario hat noch immer keinen einzigen Cent des ihm zustehenden Betrages erhalten. 

Laut Sittner sei dies ein typisches Verhalten der auf Malta ansässigen Wettanbieter. Sie werden zwar reihenweise von deutschen und österreichischen Gerichten zur Zahlung verurteilt, würden diese Urteile allerdings einfach ignorieren. Sie nutzen nämlich das von der Regierung Maltas eigens für diese Fälle geschaffene Gesetz „Bill 55“. Dieses schützt die Branche, indem es maltesischen Gerichten verbietet, im EU-Ausland gefällte Urteile in Malta zu vollstrecken.  

Bet365 verstößt auch heute noch gegen die deutschen Lizenzauflagen 

Für bet365 kommt es jedoch noch schlimmer, denn das deutsche Magazin „Plusminus“ deckte im Rahmen seiner Recherchen auf, dass der Anbieter nach wie vor gegen geltende Gesetze verstößt. In Deutschland gilt nämlich ein von vornherein fest eingerichtetes maximales Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Spieler und Monat. Dieses Limit kann zwar in Ausnahmefällen erhöht werden, jedoch nur nach eingehender Prüfung der finanziellen Situation des Antragstellers. 

Diese würde bei bet365 nicht erfolgen, denn den Journalisten war es möglich, sich ihr Limit selbst zu erhöhen. „Mit nur wenigen Klicks auf 5.000 oder 10.000 Euro.“ Einige mit diesen Fällen vertraute Anwälte hätten dem Journalistenteam sogar von Fällen berichtet, bei denen die Erhöhung auf 30.000 Euro problemlos möglich war. Außerdem muss laut Glücksspielstaatsvertrag ganz deutlich zwischen Sportwetten und Online Spielautomaten getrennt werden, da letztgenannte ein deutlich erhöhtes Suchtpotenzial aufweisen. Auch gegen diese Regelung würde bet365 verstoßen, denn auf seiner Webseite wird völlig offen auf die weiteren Glücksspielangebote des Unternehmens verwiesen.

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