Umstrukturierung bei Tipico wirft Fragen auf
Tipico ist einer der ganz großen Namen in der Glückspielbranche. Vor allem in Deutschland ist der Anbieter durch sein Online Sportwettenangebot, seine Wettbüros sowie Werbeträger wie etwa den ehemaligen Nationaltorwart Oliver Kahn zu einer der Top Marken überhaupt geworden. Aber es gibt noch eine weitere, ja eine dunkle Seite von Tipico, denn der Sportwettenanbieter steht aufgrund seiner Geschäftsaktivitäten in Deutschland vor dem Inkrafttreten des neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrages vor Gericht. Wie nun bekannt wurde, scheint Tipico einen Schuldspruch zu befürchten und deshalb vorzusorgen. Der Wettanbieter selbst spricht lediglich von einer im Zuge der Übernahme vorgenommenen Umstrukturierung. Schaut man jedoch etwas genauer hin, könnte es sich um eine zwar legale, jedoch zumindest fragwürdige Vorgehensweise handeln.
Seltsame Vorgänge rund um das Urteil des Europäischen Gerichtshofes
Eigentlich sollte der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) am 11. Dezember 2025 planmäßig seinen Schlussantrag vorbringen. Nur wenige Tage vorher, am 4. Dezember 2025 verkündete der EuGH jedoch, dass dies auf Februar 2026 verschoben wurde. Die Anwälte der Spieler vermuten, dass Tipico das Verfahren betreffende wichtige Unterlagen eingereicht haben könnte. Der Wettanbieter selbst hält dagegen und glaubt, dass es technische Gründe für das Verschieben gäbe. Wie mehrere Medien im In- und Ausland übereinstimmend berichten, scheinen die Vermutungen der Spieleranwälte durchaus zuzutreffen.
Es wurden nämlich äußerst seltsame Vorgänge rund um die Finanzen von Tipico bekannt, die darauf hindeuten, dass der Wettanbieter bereits vor dem Verkauf an die französische Banijay Group im Falle einer Verurteilung einen „eleganten Ausweg“ vorbereitet hat. Als erstes muss man wissen, dass Tipico über ein deutsches Tochterunternehmen, die Tipico Co. Limited verfügt. Dieses Tochterunternehmen hat allein im Jahre 2023 1,1 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Der maltesische Mutterkonzern konnte im gleichen Jahr sogar einen Gewinn in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verbuchen. Im Falle einer Verurteilung könnte es daher teuer werden für Tipico und genau dies hat das Unternehmen nun vorsorglich vermieden.
So hat das maltesische Nachrichtenmagazin „Malta Media“ herausgefunden, dass das deutsche Tochterunternehmen Tipico Co. Limited bereits 2024 an seinen maltesischen Mutterkonzern sowie die vor dem Verkauf an die Banijay Group verantwortlichen Anteilseigner eine außergewöhnliche Dividende in Höhe von 1,1 Milliarden Euro ausschüttete. Ein Vergleich zum Jahr 2023, wo die Dividende lediglich bei 198 Millionen Euro lag, zeigt, wie ungewöhnlich dieser Vorgang tatsächlich ist. Die deutsche Unternehmenstochter verfügt heute nämlich nur noch über 100.000 Euro an Stammkapital sowie Rücklagen in Höhe von 5 Millionen Euro.
Geldbewegungen sind zwar legal, moralisch jedoch mehr als nur zweifelhaft
Für deutsche Kläger bedeutet dieser Vorgang, dass sie selbst im Falle einer richterlichen Entscheidung zu ihren Gunsten evtl. sogar völlig leer ausgehen könnten. Die Klagen richten sich nämlich gegen das deutsche Tochter- und nicht das maltesische Mutterunternehmen von Tipico. Sollte dieses nun über kaum noch relevantes Vermögen verfügen, könnte es nur Straf- oder Ausgleichszahlungen in einer Höhe begleichen, die im Verhältnis zum Firmenvermögen stehen.
Tipico selbst sieht all dies natürlich völlig anders. Von einem gezielten Schachzug, um einer möglichen Verurteilung in Milliardenhöhe zuvorzukommen, könne keine Rede sein. Vielmehr handle es sich bei dem Vorgang um einen seit langem geplanten, der ausschließlich auf den Verkauf an die französische Banijay Group zurückzuführen sei. Die an die Konzernmutter ausbezahlte Dividende stamme aus dem Verkauf des Markenrechts von Tipico Co. Limited an das maltesische Mutterunternehmen. Pikant dabei ist, dass ein großer Teil des Geldes kurz vor der Übernahme der Banijay Group auch an den bisherigen Haupteigentümer CVC Capital weiterfloss.
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