Kalshi vor dem Supreme Court – Prediction Markets im Rechtsstreit
Massachusetts macht Ernst gegen Kalshi. Die Generalstaatsanwältin Andrea Joy Campbell will die Prediction Market Plattform per Gerichtsbeschluss aus dem Bundesstaat verbannen. Der Vorwurf: illegales Glücksspiel ohne Lizenz. Damit ist Massachusetts der erste US-Staat, der aktiv versucht, Wett-Plattformen wie Kalshi juristisch zu stoppen.
Die Sache ist komplex. Kalshi argumentiert, dass ihre Event Contracts Finanzinstrumente seien, die auf Bundesebene von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reguliert werden. Campbell sieht das anders – für sie sind die angebotenen Verträge nichts weiter als Sportwetten im neuen Gewand. Besonders kritisch: Während lizenzierte Sportwetten-Anbieter in Massachusetts nur Nutzer über 21 bedienen dürfen, hat Kalshi diese Altersbeschränkung nicht.
Kalshi wehrt sich – und könnte dabei bis zum Supreme Court gehen
Andrew Kim, Partner bei der Kanzlei Goodwin Proctor, geht davon aus, dass die Fälle letztendlich vor dem Obersten Gerichtshof landen werden. Die Frage sei nicht ob, sondern wann. Der Zeitrahmen? Unklar. Möglich wäre eine Anhörung bereits Mitte 2026, es könnte aber auch bis 2029 oder länger dauern.
Die rechtliche Grauzone ist offensichtlich. In Nevada gewann Kalshi zunächst eine einstweilige Verfügung – nur um kurz darauf vom selben Gericht eine Niederlage zu kassieren. Connecticut hält die Event Contracts während des laufenden Verfahrens weiter verfügbar. Arizona beobachtet die Entwicklung mit Argusaugen. Die Bundesstaaten sehen sich um Steuereinnahmen gebracht – in Arizona allein zahlten lizenzierte Glücksspielanbieter über 112 Millionen Dollar an Steuern, von denen Prediction Markets befreit sind.
Drei mögliche Ausgänge, drei verschiedene Welten
Kim skizziert drei Szenarien für den Supreme Court. Erstens: Die Bundesstaaten gewinnen, Kalshi müsste Sportkontrakte stoppen und reguläre Sportwetten-Lizenzen beantragen. Zweitens: Kalshi setzt sich durch, der Supreme Court weitet die Definition von Swaps aus – was theoretisch auch Casino-Spiele einschließen könnte, wobei Kim dieses Szenario für weniger wahrscheinlich hält. Drittens: Kalshi gewinnt die Bundeshoheit, aber der Supreme Court verengt die Swap-Definition auf Derivate mit „wirtschaftlicher Konsequenz“.
Interessant: Kalshis eigene Anwälte haben in New Jersey möglicherweise versehentlich eingeräumt, dass manche Player Props nicht unter die Swap-Definition fallen könnten. Ein Detail, das noch relevant werden könnte.
Während Massachusetts vorprescht und andere Staaten zuschauen, entwickelt sich hier ein Grundsatzstreit über Föderalismus in der digitalen Ära. Kann Washington den Bundesstaaten ihre traditionelle Kontrolle über Glücksspiel nehmen? Die Antwort wird nicht nur über Kalshis Zukunft entscheiden, sondern die gesamte Branche prägen.
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