Polymarket richtet Geschäft auf Banken und Fonds aus

 
Institutional trader analyzing abstract prediction-market contracts for banks and funds

Polymarket hat Lisa Mantil, eine frühere Partnerin von Goldman Sachs, als Leiterin des institutionellen Wachstums eingestellt. Sie soll für die Prediction-Market-Plattform Kunden außerhalb des Privatkundengeschäfts gewinnen, darunter Banken, Unternehmen, Fondsmanager und Handelsfirmen. Die Personalie unterstreicht Polymarkets Bestreben, neben Retail-Tradern auch professionelle Marktteilnehmer anzusprechen.

Institutionelle Nachfrage und rechtliche Unsicherheit

Prediction-Market-Anbieter richten ihren Blick zunehmend auf professionelle Investoren. Für diese könnten Ereigniskontrakte eine Möglichkeit bieten, Risiken direkt abzusichern, für die bislang keine passenden Märkte existieren. Polymarket erklärte, Institutionen hätten sich bisher vielfach auf Proxy-Instrumente und korrelierte Vermögenswerte verlassen müssen, ohne Sicherheit, dass diese sich wie das tatsächlich abzusichernde Risiko entwickeln.

Der Vorstoß fällt zugleich in eine Phase rechtlicher Unsicherheit rund um Sportereignis-Kontrakte, die laut Casino.org den Großteil des Volumens auf Ja-Nein-Börsen ausmachen. Rechtsexperten halten dem Bericht zufolge eine spätere Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA für möglich, die solche Kontrakte untersagt oder deutlich einschränkt. Sollte es dazu kommen, müsste Polymarket womöglich stärker auf Produkte und Dienstleistungen setzen, die für professionelle Nutzer attraktiv sind.

Auch außerhalb der USA ist der regulatorische Rahmen ein Thema für die Expansion der Plattform: In den Niederlanden droht Polymarket laut einem Streit um eine mögliche Wochenstrafe von 420.000 Euro.

Mantil bringt ETF-Erfahrung mit

Mantil war fast drei Jahrzehnte bei Goldman Sachs tätig und wurde dort 2018 Partnerin. Zuletzt leitete sie das ETF Accelerator Program der Bank, das Vermögensverwalter dabei unterstützte, neue börsengehandelte Fonds auf den Markt zu bringen. Bei Polymarket soll sie ihre Erfahrung mit Finanzinstituten und der Einführung neuer Anlageprodukte in den Aufbau des institutionellen Geschäfts einbringen.

Polymarket hat bereits eine eigene Plattform für institutionelle Investoren eingerichtet. Im Juli startete das Unternehmen außerdem Polymarket Institutional Research, eine Publikation zur Schnittstelle zwischen der Plattform und dem globalen Finanzsystem. Im Juni führte Polymarket nach Angaben von Casino.org seinen ersten institutionellen Block-Trade aus: eine sechsstellige Transaktion zwischen zwei Parteien, bei der es um Grafikprozessoren (GPUs), also Rechenleistung für Anwendungen künstlicher Intelligenz, ging.

Das Unternehmen begründete den institutionellen Zugang mit zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten und direkterer Absicherung: „Institutional access to Polymarket opens new markets, brings new participants into the category and gives capital a direct way to hedge risks that previously lacked dedicated markets.“

Ausbau über das Privatkundengeschäft hinaus

Mantils Verpflichtung soll Polymarket dabei helfen, institutionelle Kunden und größere professionelle Trader stärker an die Plattform zu binden. Ob daraus ein belastbares Geschäftsfeld entsteht, hängt auch davon ab, ob Prediction Markets konkrete Anwendungen für Unternehmen und Investoren entwickeln und mit der rechtlichen Unsicherheit bei Sportkontrakten umgehen können. Polymarket verfolgt daneben weitere internationale Wachstumsansätze, darunter den Vorstoß in den chinesischen Markt rund um das Lunar New Year.

Post