Polymarket drängt mit Lunar New Year in den China-Markt

 

Die US-amerikanische Prediction-Market-Plattform Polymarket macht ernst mit ihrer Asien-Strategie: Anlässlich des chinesischen Neujahrs 2026 hat das New Yorker Unternehmen gezielt auf chinesischsprachige Nutzer gezielt – mit eigens entwickelten Märkten rund um das Frühlingsfest-Spektakel im chinesischen Staatsfernsehen. Das ist bemerkenswert, denn Glücksspiel und Krypto-Transaktionen sind auf dem chinesischen Festland streng verboten.

Tanzende Roboter als Einstiegsdroge

Polymarket hat für das Spring Festival Gala 2026 – die jährliche Silvester-Show auf dem staatlichen Sender CCTV, die regelmässig Hunderte Millionen Zuschauer anzieht – mehrere Wettmärkte angeboten. Einer davon fragte, welche Roboter-Tanzmarken bei der Show auftreten würden. Das klingt absurd, ist aber in China längst Realität: Humanoid-Roboter als choreografierte Showacts beim Frühlingsfest sind seit einigen Jahren ein festes Element. Der Markt erzielte ein Handelsvolumen von knapp 600.000 US-Dollar, mit positiven Auflösungen für Marken wie Unitree Robotics, GALBOT, MagicLab und Noetix Robotics. Ein weiterer Markt über einen Auftritt der Sängerin Li Guyi kam auf knapp 43.000 Dollar Volumen.

Parallel dazu hat Polymarket Mandarin-sprachige Mitarbeiter eingestellt und arbeitet an einem vollständigen chinesischsprachigen Interface – erkennbar bereits an der „/zh“-Version der eigenen Website mit vereinfachten chinesischen Navigationsbezeichnungen.

Diaspora statt Festland – die offizielle Version

Justin Yang, der bei Polymarket für die Markteinstiegsstrategie in Asien verantwortlich ist, betonte gegenüber dem Technologiemagazin Rest of World, China sei eine „sehr wichtige Region“ für die Plattform. Den Widerspruch zum chinesischen Glücksspielverbot löst er mit einer griffigen Formel auf: Polymarket ziele nicht auf Festland-Chinesen, sondern auf die weltweite chinesische Diaspora. Die Plattform sei auf dem Festland zwar gesperrt, Nutzer könnten dies aber per VPN umgehen. Genaue Zahlen zu Festland-Nutzern habe er nicht, die Region insgesamt liefere aber monatlich Millionen von Besuchen und Handelsvolumen im dreistelligen Millionenbereich in US-Dollar.

Das ist eine dünne Trennlinie. Denn Peking dürfte Polymarkets Selbstbeschreibung als event-basiertes Derivate-Trading, das lediglich Marktstimmungen aggregiert und kein klassisches Glücksspiel darstelle, kaum akzeptieren. Hinzu kommt, dass Krypto-Transaktionen und nicht lizenzierte grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen in China ebenfalls verboten sind – Polymarket arbeitet auf USDC-Basis.

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