UK-Glücksspielbranche gibt 2 Milliarden Pfund für Werbung aus
Die britische Glücksspielbranche hat 2024 unglaubliche 2 Milliarden Pfund für Marketing und Werbung ausgepulvert. Diese Summe verteilt sich auf Print- und Digital-Werbung sowie Affiliate-Programme, bei denen Dritte dafür bezahlt werden, Spieler zu bestimmten Anbietern zu lenken. Die Zahl stammt von der Medienanalyse-Firma WARC und befeuert die Diskussion um höhere Steuern für die Branche massiv.
Mehr Werbung als Steuereinnahmen
Das pikante Detail: Die 2 Milliarden Pfund übersteigen bei weitem die 1,2 Milliarden Pfund, die das britische Finanzministerium 2024 von Online-Casinos an Steuern kassiert hat. Branchenexperten gehen sogar davon aus, dass die tatsächlichen Werbeausgaben noch hunderte Millionen Pfund höher liegen, da digitales Marketing schwer exakt zu messen ist.
Die Betting and Gaming Council (BGC), der Branchenverband, widerspricht diesen Zahlen allerdings vehement. Laut BGC liegen die Werbeausgaben ohne Lotterien bei maximal 1 Milliarde Pfund und seien in den letzten Jahren sogar gesunken.
Politik fordert Steuererhöhung
Meg Hillier, Vorsitzende des einflussreichen Treasury Select Committee, argumentiert, dass die Beiträge zum Haushalt niedriger sind als die Werbeausgaben der Branche. Ihre klare Ansage: „Vielleicht sollten Glücksspielfirmen darüber nachdenken, Werbung zu kürzen, die niemand sehen will, bevor sie sich gegen faire Steuern auf ihre enormen Profite wehren – besonders angesichts der Schäden, die sie verursachen.“
Die Rufe nach drastischen Steuererhöhungen werden lauter. Think Tanks wie das Institute for Public Policy Research (IPPR) fordern, die Remote Gaming Duty von derzeit 21% auf bis zu 50% anzuheben. Dies könnte zusätzliche 3 Milliarden Pfund pro Jahr in die Staatskasse spülen.
Branche warnt vor Schwarzmarkt
Die BGC warnt eindringlich vor den Folgen zu hoher Steuern. CEO Grainne Hurst betont, dass die Branche bereits 4,2 Milliarden Pfund an Steuern zahle, 110.000 Jobs sichere und 7,1 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft beitrage. Eine zu aggressive Steuererhöhung könne Spieler in den unregulierten Schwarzmarkt treiben.
Das Beispiel Niederlande zeigt die Befürchtungen: Nach einer Steuererhöhung auf 35% soll dort mittlerweile die Hälfte aller Online-Glücksspieler bei illegalen Anbietern zocken. Laut BGC setzen bereits jetzt 1,5 Millionen Briten rund 4,3 Milliarden Pfund pro Jahr bei illegalen Betreibern.
Premier League verbietet Trikot-Sponsoring
Parallel zur Steuerdebatte laufen weitere Verschärfungen. Premier-League-Clubs haben bereits zugestimmt, ab 2026 auf Glücksspiel-Trikotsponsoring zu verzichten – allerdings bleiben Banden- und Stadionwerbung erlaubt. Werbung während Live-Sportevents im TV ist bereits verboten.
Die Regierung plant zudem, „Affordability Checks“ für Spieler einzuführen, die mehr als 500 Pfund pro Monat setzen. Eine weitere Untersuchung zur Besteuerung der Branche läuft und könnte im Herbstbudget zu substanziellen Änderungen führen. Die Branche hält den Atem an.
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