Sportwetten in Österreich: Ein Jahr Stillstand nach Brandbrief
Wetten auf Sportveranstaltungen gehören heutzutage zum Alltag. In den vergangenen Jahren haben sich daher nahezu sämtliche Länder der EU dahingehend bewegt, dass Sportwetten legal auch von privaten Buchmachern angeboten werden können. Österreich ist jedoch nicht nur in dieser Hinsicht ein Sonderfall. Hier herrscht nämlich noch ein staatliches Glücksspielmonopol. Genau an dieser Stelle kommt allerdings auch der Knackpunkt ins Spiel, denn Sportwetten gelten in Österreich nicht als Glücksspiele, sondern werden als „Geschicklichkeitsspiele“ geführt. Damit entfallen auch sämtliche Regularien hinsichtlich des Spielerschutzes, die für Glücksspiele gelten. Genau ein Jahr ist es nun her, dass führende österreichische Suchtpräventionsexperten einen Brandbrief an den Bund und die Länder verfassten und Alarm schlugen. Passiert ist seither wenig überraschend nichts.
Ein Jahr später und keine Veränderung in Sicht
Österreich ist tatsächlich das einzige Land in der EU, in dem Sportwetten nicht als Glücksspiele gelten. Aber es gibt noch etwas Erstaunliches, denn in keinem anderen Land der EU werden derart viele Sportvereine und Medien von Wettanbietern gesponsert wie in der Alpenrepublik. Ein Paradox, das sich auch in einer anderen deutlich negativeren Seite niederschlägt. Da Sportwetten nicht als Glücksspiele gelten, fallen sie nämlich weder unter das staatliche Glücksspielmonopol noch unter die strengen österreichischen Spielerschutzvorschriften. Führende Suchtexperten fordern daher bereits seit Jahren, dass Wetten als Glücksspiele gelten. Vor genau einem Jahr schickten sie daher einen Brandbrief an verschiedene Regierungsvertreter. Eine Bilanz zeigt, dass sie damit auf taube Ohren zu stoßen scheinen.
Sportwetten werden in Österreich durch die Bundesländer reguliert, was zu einem regelrechten Chaos führt. Denn jedes Bundesland legt seine eigenen Regeln diesbezüglich fest und dazu gehören auch die Spielerschutzvorgaben. Eva Kouba, die für die Fachstelle für Glücksspielsucht Steiermark arbeitet, bestätigte zwar, dass es im Nachhinein aufgrund des Briefes Gespräche gegeben habe, es wurden jedoch keinerlei konkrete Schritte eingeleitet. Im Februar kündigte die neue Regierung Österreichs noch vollmundig an, dass man die bisherige Regelung „prüfen“ wolle. Es blieb allerdings lediglich bei der Ankündigung und somit alles beim Alten und das, obwohl in diesem Bereich dringender Handlungsbedarf besteht.
Einstufungsproblem sorgt für steigende Anzahl an Suchterkrankungen
Die zögernde Haltung der Regierung macht sich derweil an einer anderen Stelle bemerkbar. So berichtet Kouba: Die „Suchtberatungsstellen merken es schon, dass der Anteil der Menschen, die wegen problematischen Spielverhaltens zu uns kommen, zunimmt.“ Dass mittlerweile 58 % aller Wettenden, das Internet nutzen, beschreibt sie wie folgt: „Da ist es ganz klar, dass die Nutzung online ist. Also über das Handy, über mobile Endgeräte. Dieser Teil steigt an und da merken wir auch einen Zuwachs.“
Wenn also immer mehr Menschen in Österreich aufgrund von mangelnden Spielerschutzmaßnahmen in eine Abhängigkeitsfalle geraten, dann ist dies auch mit weiteren einhergehenden Konsequenzen verbunden. Dazu gehört für Lukas Schmuckermair, die hohe Schuldenquote von Wettsüchtigen. So habe mittlerweile jeder fünfte Suchtkranke Schulden in Höhe von mehr als 50.000 Euro angehäuft. Betroffene würden mehr Geld verwetten, als sie eigentlich wollten und das, obwohl sie schon längst finanzielle Probleme hätten.
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