Schweden vor umfassender Reform seiner Glücksspielgesetze?
Die skandinavischen Länder sind fast schon traditionelle Online Glücksspielhochburgen. Dies liegt unter anderem daran, dass diese Länder über eine sehr gute und schnelle Internetverbindung verfügen und deren Bevölkerung dementsprechend technisch auf einem sehr hohen Stand ist. Ergänzend kommt hinzu, dass insbesondere Schweden über eine relativ große Online Glücksspielindustrie verfügt. Spiele–Entwickler wie NetEnt, Play’n GO oder Yggdrasil haben allesamt ihre Wurzeln in dem nordischen Land. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Schweden mit einem großen Problem zu kämpfen hat. Neuesten Schätzungen zufolge verfügt das Land lediglich über eine Kanalisierungsquote von 72 bis 82 %. Der Vorstand der schwedischen Vereinigung für Online Glücksspiel BOS, Gustaf Hoffstedt spricht angesichts dieser Quote von einem „katastrophalen“ Zustand. Nun möchte die schwedische Regierung mithilfe einer der umfangreichsten Glücksspielreformen eingreifen.
Steht Schweden eine der größten Reformen seiner Glücksspielgesetze bevor?
Der schwedische Staat sieht sich angesichts des hohen Marktanteils von illegalen Online Glücksspielanbietern dazu gezwungen, mit einer Reform seiner Gesetze einzugreifen. Dementsprechend vorbereitend hat die Regierung vor ca. einer Woche einen ersten Reformvorschlag (Link auf Schwedisch) unterbreitet. Die Reform des als Spellagen bezeichneten Glücksspielgesetzes wurde vom schwedischen Finanzministerium in Person von Marcus Isgren ausgearbeitet. Werden die Reformvorschläge vom Parlament wie geplant angenommen, dann sollen sie bereits ab 01. Januar 2027 inkrafttreten. Dies wäre zugleich die größte Änderung, des erst im Jahre 2019 vollumfänglich neu gestalteten Spellagen Gesetzes.
Im Zentrum der Reformvorschläge stehen völlig neue Ansatzpunkte der Glücksspielregulierung in Schweden. Der schwedischen Aufsichtsbehörde sollen etwa wesentlich weitreichendere Befugnisse und Freiheiten bei der Regulierung des schwedischen Glücksspielmarktes erteilt werden. Außerdem soll die Verantwortung zur Einhaltung der Regelungen vom schwedischen Staat auf die Online Glücksspielanbieter verlagert werden. Dies wird mithilfe des Schließens einer momentan noch bestehenden Gesetzeslücke erreicht.
Die momentan geltenden Gesetze sehen nämlich vor, dass Anbieter unter das schwedische Glücksspielgesetz und somit der Regulierung der örtlichen Behörden fallen, wenn sie ihr Angebot explizit auf schwedische Spieler ausrichten. Dies machen die Behörden in erster Linie daran fest, dass die Webseite in Schwedisch und die Nutzung von schwedischen Kronen als Währung angeboten wird. Illegale Anbieter haben ihre Webseiten jedoch auf Englisch verfasst und nutzen den Euro als Währung und gelten somit per Gesetz nicht mehr per se als illegal. Die vorgeschlagene Reform sieht daher vor, dass jeder Anbieter, der Spieler aus Schweden akzeptiert sofort unter die örtlichen Gesetze fällt.
Reformvorschläge rufen in Schweden positive Reaktionen hervor
Erste positive Reaktionen auf die Vorschläge ließen nicht lange auf sich warten. Anna Johnson, Vorstandsvorsitzende des staatlichen Glücksspielanbieters Svenska Spel äußerste sich etwa als eine der ersten positiven Stimmen aus der Branche. „Die Reformvorschläge wurden bereits seit langem von uns erwartet und sind absolut zu begrüßen.“ Auch die schwedische Aufsichtsbehörde Spelinspektionen gab ein ähnlich lautendes Statement dazu ab. Ein Sprecher hob etwa hervor, dass „wir bereits seit langem die Regierung darauf hingewiesen haben, dass das Glücksspielgesetz bezüglich des Online Glücksspiels dringend reformbedürftig ist. Daher stehen wir den gemachten Reformvorschlägen mehr als nur positiv gegenüber.“ Hoffstedt, der Architekt der Reformvorschläge wies jedoch auch darauf hin, dass „er einen Anstieg der Kanalisierungsquote von zwei bis drei Prozent“ erwartet, „jedoch das Problem (der illegalen Online Glücksspielanbieter) damit nicht vollständig gelöst werden wird.“
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