Londons U-Bahn: Glücksspielwerbung trotz Wahlversprechen

 

Sadiq Khan hat ein Problem. Der Londoner Bürgermeister hatte 2021 versprochen, Glücksspielwerbung aus der U-Bahn zu verbannen. Vier Jahre später fahren täglich Millionen Passagiere an Casino- und Wettanzeigen vorbei. Die Kritik wird lauter – vor allem, weil London ein massives Suchtproblem hat.

Doppelt so viele Betroffene wie im Rest des Landes

Die Zahlen sind alarmierend: 5,6 Prozent der Londoner zeigen problematisches Spielverhalten – fast das Doppelte des britischen Durchschnitts von 2,9 Prozent. Krupesh Hirani, Gesundheitssprecher der Labour-Fraktion in der Stadtversammlung, nennt London mittlerweile die „Frontlinie der nationalen Glücksspielkrise“. Zwischen 2018 und 2023 hat Transport for London (TfL) knapp 5 Millionen Pfund mit Glücksspielwerbung verdient.

Während Khan bei seinem Wahlversprechen patzt, gibt es in Deutschland strengere Regeln. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag dürfen nur Anbieter mit deutscher Lizenz werben, und das auch nur zwischen 21 und 6 Uhr. Die Bundesdrogenbeauftragten setzen sich aktiv für Prävention ein – ein Ansatz, der in Großbritannien fehlt.

Juristische Ausreden statt Taten

Khan schiebt die Verantwortung auf die Regierung. Er wartet auf einen „nationalen Rahmen“ und eine rechtssichere Definition von schädlicher Glücksspielwerbung. Ohne diese Definition könnte ein vorschnelles Verbot zu rechtlichen Problemen führen, argumentiert er. Die Branche würde klagen – und vermutlich gewinnen.

Interessant: Bei Fast-Food-Werbung hatte Khan keine Skrupel. Die verbannte er problemlos aus Bus und Bahn, weil es staatliche Gesundheitsrichtlinien gibt. Bei Glücksspiel fehlt diese Rückendeckung. Kritiker werfen ihm vor, sich hinter Formalitäten zu verstecken, während die Suchtrate steigt.

Betroffene verlieren die Geduld

28 Hinterbliebene, die Angehörige durch Spielsucht-Suizide verloren haben, schrieben Khan im Mai einen offenen Brief. Ihre Frage: „Wie viele müssen noch leiden oder sterben, bevor etwas getan wird?“. Die Coalition to End Gambling Ads wirft dem Bürgermeister vor, Politik über Gesundheit zu stellen. Andere Stadtverwaltungen hätten nicht auf die Erlaubnis aus Westminster gewartet – warum London?

Die Gambling Commission meldet, dass die Hälfte aller Londoner in den letzten 12 Monaten gespielt hat, 37 Prozent sogar in den letzten vier Wochen. Diese Werte liegen deutlich über dem Rest des Landes. Eine Aktionsgruppe unter Leitung von Hirani versucht jetzt, auf Borough-Ebene Maßnahmen durchzusetzen, da die zentrale Lösung auf sich warten lässt.

Der Fall zeigt: Wahlversprechen sind das eine, juristische Realität das andere. Khan sitzt zwischen den Stühlen – zwischen wütenden Wählern und fehlenden gesetzlichen Grundlagen. Bis die Regierung handelt, bleibt die Tube ein Werbe-Paradies für die Glücksspielbranche.

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