Italien vergibt 46 neue Online-Glücksspiellizenzen
Italien bringt frischen Wind in seinen regulierten Glücksspielmarkt: Die Aufsichtsbehörde ADM (Agenzia delle Dogane e dei Monopoli) hat 46 neue Online-Glücksspiellizenzen vergeben. Damit nähert sich das Land dem selbst gesetzten Limit von 50 Konzessionen. Der Schritt ist Teil einer umfassenden Neustrukturierung des italienischen Glücksspielsektors, bei der Qualität und Kontrolle im Fokus stehen.
Die Bewerbungsphase lief seit Anfang 2024, nun stehen erste Namen fest. Mit dabei sind internationale Schwergewichte wie bet365, Flutter (Betfair, Sisal) oder LeoVegas – kleinere Anbieter dürften es künftig deutlich schwerer haben.
7 Millionen Euro pro Lizenz
Der wohl auffälligste Aspekt der neuen Lizenzrunde ist die massive Anhebung der Konzessionsgebühr. Wer in Italien legal Online-Glücksspiel betreiben will, muss nun 7 Millionen Euro zahlen – statt der bisherigen 200.000 Euro. Damit wird die Teilnahme zu einem Hochpreis-Ticket, das nur finanzstarke Anbieter lösen können.
Laut Schätzungen der italienischen Regierung wird diese Regelung rund 322 Millionen Euro in die Staatskassen spülen. Kritiker, etwa vom europäischen Glücksspielverband EGBA, warnen jedoch vor möglichen Nebenwirkungen: Eine derart hohe Eintrittshürde könnte den Schwarzmarkt stärken, weil kleinere Anbieter aufgeben oder ins Illegale abwandern.
Konsolidierung und Verbraucherschutz
Ein weiteres zentrales Ziel der Reform ist die Marktkonsolidierung. Statt wie bisher rund 400 aktiven Webseiten sind künftig nur noch maximal 50 erlaubt. Jeder Lizenznehmer darf lediglich eine Plattform betreiben. Die Maßnahme soll für mehr Übersicht, bessere Kontrolle und höhere Sicherheitsstandards sorgen.
Zugleich wurden die Anforderungen an Spielerschutz und Transparenz deutlich verschärft. Lizenzen werden nur an Anbieter vergeben, die strenge Vorgaben in Bereichen wie KYC, Datenschutz, Spielsuchtprävention und technischer Sicherheit erfüllen. Die italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza ist ebenfalls eingebunden, um Compliance und Abgabepflichten zu kontrollieren.
Schwarzmarkt bleibt Risiko
Trotz der ambitionierten Neuausrichtung bleibt der illegale Markt ein Problem. Studien zeigen, dass Spieler bei zu wenig Auswahl oder zu starker Einschränkung auf nicht lizenzierte Anbieter ausweichen. Die EGBA warnt, dass eine überregulierte Branche das Vertrauen in legale Angebote schwächen könnte – besonders wenn Werbung, Boni oder Sponsoring untersagt bleiben.
In diesem Zusammenhang wird auch das Werbeverbot für Glücksspiel neu diskutiert. Seit dem sogenannten „Dignity Decree“ von 2018 dürfen Anbieter in Italien nicht mehr für ihre Dienste werben. Das könnte sich nun ändern: Medienhäuser, Sportvereine und sogar das Nationale Olympische Komitee sprechen sich für eine Lockerung aus – auch zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit legaler Anbieter.
Ausblick: Start ab 2026
Die neu vergebenen Lizenzen treten voraussichtlich ab Oktober/November 2025 in Kraft. Der vollständige Übergang zum neuen System soll bis Juli 2026 abgeschlossen sein. Dann dürfen nur noch die 46–50 Konzessionäre im italienischen Markt aktiv sein.
Für internationale Glücksspielunternehmen bleibt Italien damit ein hochinteressanter, aber zugleich anspruchsvoller Markt. Wer hier mitspielen will, braucht nicht nur Kapital, sondern auch ein tragfähiges Compliance-Konzept.
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