Brasilien: Casino-Gesetz steht vor Senatsabstimmung

 

Nach jahrzehntelangen Debatten steht Brasilien erneut vor der Entscheidung über die Legalisierung von Casinos. Der Gesetzentwurf 2.234/2022 zielt darauf ab, das Glücksspiel durch die Einführung von integrierten Resort-Casinos zu legalisieren. Das südamerikanische Land könnte damit sein seit 1946 bestehendes Glücksspielverbot beenden – allerdings nur, wenn der Senat mitspielt.

Das große Zögern im Senat

Der Gesetzentwurf ist bereits bereit für die Abstimmung im Plenum und hat die erforderlichen Ausschüsse durchlaufen, doch die Sache ist kompliziert. Senatspräsident Davi Alcolumbre zog den Entwurf im Juli von der Tagesordnung zurück und verwies auf die geringe Teilnehmerzahl und starke Uneinigkeit unter den Abgeordneten. Konservative Senatoren und die evangelische Fraktion laufen Sturm gegen das Vorhaben. Sie befürchten einen Anstieg von Spielsucht, organiserter Kriminalität und sozialen Problemen.

Die Argumente der Gegner sind nicht von der Hand zu weisen: Einkommensschwache Bürger, die anfälliger für Sucht und finanzielle Schäden sind, könnten unverhältnismäßig stark getroffen werde. Doch die Befürworter halten dagegen, dass illegales Glücksspiel ohnehin längst floriert – nur eben ohne Kontrolle und Steuereinnahmen.

Was das Gesetz vorsieht

Die 26 Bundesstaaten des Landes dürfen je eine Konzession für ein integriertes Casino-Resort vergeben. In Bundesstaaten mit einer Fläche von mehr als 1 Million Quadratkilometern könnten zwei zusätzliche Konzessionen erteilt werden. Die Resorts müssen mindestens 1.000 Hotelzimmer gehobener Klasse, Event-Flächen, Restaurants und Shopping-Möglichkeiten bieten. Die eigentliche Casino-Fläche darf maximal 20 Prozent der Gesamtfläche einnehmen.

Neben Casinos soll auch das traditionelle brasilianische Lotteriespiel Jogo do Bicho legalisiert werden – ein seit 1885 existierendes Glücksspiel mit Tiersymbolen, das besonders in ärmeren Bevölkerungsschichten beliebt ist. Bingohallen mit mindestens 1.500 Quadratmetern Fläche sollen ebenfalls erlaubt werden.

Milliarden-Potenzial lockt

Die fiskalischen Argumente sind kaum zu übersehen. Die Projektion der Hotelvereinigung Fhoresp geht davon aus, dass das Gesetz eine Umkehrung von 70 Milliarden US-Dollar für Brasilien generieren könnte. Der Erfolg der 2023 legalisierten Online-Sportwetten, die bereits Milliarden an Steuereinnahmen bringen, hat die Forderungen nach einer umfassenderen Reform verstärkt.

Interessant: 60 Prozent der Brasilianer unterstützen die Legalisierung von Casinos, wie aktuelle Umfragen zeigen. 82 Prozent fordern allerdings strenge Kontrollen gegen Geldwäsche. Die Bevölkerung will legales Glücksspiel – aber sauber reguliert.

Online bereits legal, landbasiert noch nicht

Brasilien hat seine Glücksspielgesetzgebung im Januar 2025 bereits grundlegend reformiert und Online-Casinos sowie Sportwetten legalisiert. Die neue Regulierungsbehörde SPA hat mittlerweile über 60 Lizenzen für Online-Gaming und Sportwetten ausgestellt. Nur bei den landbasierten Casinos zögert der Gesetzgeber noch.

Senator Irajá fasste es so zusammen: „Bei der Legalisierung geht es nicht darum, Glücksspiel einzuführen, sondern darum, es aus dem Schatten zu holen und zu einer Quelle wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung zu machen“. Ob der Senat dieser Argumentation folgt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Brasilien steht am Scheideweg – zwischen Tradition und wirtschaftlichem Pragmatismus.

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